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DER WEG DES KREUZES

 

B.H. CLENDENNEN

 

Ein Großteil der Gemeinde hat den wahren „Weg des Kreuzes“ nicht erkannt, und das ist einer der Hauptgründe, weshalb die Gemeinde so arm und nicht in der Lage ist, sich der Aufgabe Gottes zu stellen.

 

2. Korinther 2: 4-11.

 

In Johannes 12: 24 lesen wir: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Und noch Galater 2: 19, 20, „... ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Werk und dem Weg des Kreuzes. Das Werk des Kreuzes bestimmt, was der Mensch empfängt. Der Weg des Kreuzes bestimmt, was der Vater empfängt durch Seine Kinder, die durch das Kreuz geboren werden. Diese beiden Aspekte sind nicht unbedingt verschiedene Erfahrungen, aber jeder muß sein eigenes Werk haben im Leben eines Gläubigen, der für Gott leben will.

 

Wenn das Kreuz nicht mehr außen vor bleibt und im Gläubigen zu wirken beginnt. dann haben wir den Weg des Kreuzes betreten. Dann geht es nicht mehr um das Empfangen, sondern darum, daß der Vater Sein Vorhaben in den Gläubigen ausführt. Wenn das dem Herzen offenbar wird, dann wird deutlich, daß diese Phase fast übersehen wurde. Auch werden wir dann feststellen, daß darin der Hauptgrund unserer Frustration liegt. Der Schreiber des Hebräerbriefes muß das im Sinn gehabt haben, wenn er sagt: „Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen Reife zuwenden ...“ (Hebräer 6: 1). Paulus versichert, daß dieser Weg des Kreuzes seinen Dienst fruchtbar und wirksam macht. 2. Korinther 4: 11, „Denn ständig werden wir, die Lebenden, dem Tod überliefert um Jesu Willen, damit auch das Leben Jesu in unserem sterblichen Fleisch offenbar werde.“ Das dürfte fremd erscheinen für die, die nur darauf aus sind, zu empfangen und noch nicht erkannt haben, was Gott durch ihr Leben empfangen könnte.

 

Die meisten Christen können den Zweck des Lebens weder einschätzen noch verstehen. Sie haben die Wichtigkeit eines Ausdrucks nicht erkannt, der ständig wiederholt wird. Er wird in ähnlichem Zusammenhang in Römer 8: 36 gebraucht: „... Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.“ Und wiederum: „Denn ständig werden wir ... dem Tod überliefert um Jesu Willen ...“ (2. Korinther 4: 11). Bisher sahen wir alles „um unseretwillen“. Aber wenn wir auf diesem Weg vorangehen, werden wir dieses Wirken des Todes „um Jesu Willen“ sehen. Welch ein Vorrecht und welch eine Berufung! Gott hat uns zu klaren Gefäßen erwählt, durch welche Er anderen ständig das „Sterben des Herrn Jesus Christus“ offenbaren kann. Dieses Wirken des Todes wird das Mittel zum Leben für alle, denen es offenbart wird. Hier liegt der Grund für all das unfruchtbare Leben unter Christen.

 

Die meisten Christen nähern sich dem Weg des Kreuzes mit Verwirrung und Zögern. Da sie nicht verstehen, was Gott vor dem Sündenfall im Sinn hatte, und auch nicht die himmlische Sicht des Lebens, schaudern sie vor dem ständigen Wirken des Todes. Ich hörte einen Prediger sagen: „Man muß sich nicht an ein altes, verwittertes Kreuz klammern.“ Das Kreuz wird beiseite gestellt, denn die Gemeinde ist zu einer weltlichen Institution geworden, die nur die materielle und fleischliche Seite der Menschen anspricht, die nach einer Antwort suchen. Göttliches Leben kann man nicht zum Selbstzweck mißbrauchen. Das ist ein Gesetz, das sich nicht stürzen läßt. Dennoch versuchen das die Menschen ständig. Die Glaubensbewegung versucht, Gott zu manipulieren. Man nimmt die Gaben Gottes, das Leben des Leibes selbst, und versucht, sie für eigene Zwecke zu nutzen. Das war die Sünde der Gemeinde in Korinth. Das war die Ursache der „Bedrängnis dieser Tage“, von der Paulus in seinem Brief sprach.

 

Paulus sagte im 1. Korinther, Kapitel 12, daß diese Gaben Gottes eigenes Handeln sind; Er verteilt sie, wie Er will. In Korinth glaubte man, diese Gaben nach eigenem Willen benutzen zu können. Dieser Geist ist auch in unser Zeitalter gekommen. Die Menschen glauben, sie können dieses Leben ausnutzen. Das Leben eines anderen ist nicht der einfachste Weg, auch wenn man von Christen umgeben ist. Es ist erschreckend, wenn man herausfindet, daß man sich auf einem ganz anderen Weg befindet, denn das Leben Christi kann nur auf einem Weg gelebt werden – für Gott und für andere. Wenn du also anfängst, das Kreuz zu verinnerlichen, so daß du den Weg des Kreuzes gehst und lebst, dann wirst du gewissermaßen zu einem fremdartigen Wesen für diese sogenannten Christen um dich herum. Du befindest dich auf einem ganz anderen Weg, als sie.

 

Sowie wir denken, wir könnten Ihn, das heißt, Sein Leben, für unser Leben benutzen, ist Er, also Sein Leben, nicht mehr unser. Solange wir Golgatha als etwas Nutzbringendes sehen, sind wir nicht frei von der Welt. Auch wenn wir den „Nutzen“ mit den Verlorenen teilen, tun wir das doch auf unsere Art und bewahren uns das Recht auf Selbstherrschaft. Massen von Gläubigen sind gefangen in einem Weltsystem der Sicherheit und Belohnung. Gott ist bereit, sie zu befreien, sobald sie ans Ende ihrer eigenen Wege kommen. Gott zwingt niemanden auf Seinen Weg. Aber wenn wir Seinen Weg wählen, dann setzt Er diese Wahl durch. Wir haben hier also eine Tatsache, die zum größten Teil verloren gegangen oder nie verstanden worden ist.

 

Zwei Dinge sind bei der Betrachtung unseres Lebens wichtig: die Vergangenheit und die Gegenwart. Aus Gottes Sicht ist das Werk des Kreuzes ein für allemal vollendet. Ich möchte, daß du das verinnerlichst. Das Werk des Kreuzes ist eine abgeschlossene Sache. Wir sollten immer folgenden Unterschied machen: Wenn wir das Sterben Christi für uns und unseren Tod mit Ihm erwähnen, sprechen wir in der Vergangenheitsform. „Ich bin gekreuzigt ...“, „unser alter Mensch wurde gekreuzigt ...“, „haltet euch selbst für tot ...“, „Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.“ (Galater 5: 24).

 

An diesen und vielen anderen Stellen stellt Paulus unsere Einheit „zusammen mit Ihm“ dar. Wir sind befreit von der Schuld der Sünde und ihrer Macht, indem wir unsere Einheit mit dem vollendeten Werk Christi am Kreuz fest annehmen. Wir müssen uns auf die Vergangenheit verlassen. Wir dürfen das nicht verwechseln mit einer anderen Aussage des Paulus und denken, wir müßten täglich „für die Sünde sterben“. Nein! Paulus betont, wir sind der Sünde gestorben. Wir sind der Sünde gestorben, als wir Christi erlösendes Werk erkannt und es angenommen haben. In jedem Streit mit Satan oder wenn sich das Fleisch erhebt, bestehen wir darauf: Es ist bereits vollbracht.

 

Als Paulus sagte, „Ich werde täglich getötet“, meinte er nicht, daß wir jeden Tag der Sünde sterben sollen. Hier wird oft das „Werk“ des Kreuzes mit dem „Weg“ des Kreuzes verwechselt. Ersteres ist ein vergangener Fakt, auf den wir uns berufen. Letzteres ist eine gegenwärtige Sache, die wir beständig mit Christus teilen. Jesus, der letzte Adam, betrat die Welt ohne Sünde. Er brauchte den Weg des Kreuzes nur zu ergreifen. Er mußte nie das Werk das Kreuzes beanspruchen. Er hatte keine Sünde. Niemand mußte für Ihn sterben. Er sagte: „... Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach!“ (Lukas 9: 23).

 

Das wird oft für die Lehre mißbraucht, daß der Mensch durch ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und täglicher Verleugnung den alten Menschen töten kann. Dadurch wird die Gnade Gottes vereitelt. Hier geht es um zwei verschiedene Menschen. Der Herr Jesus stellte sich dem menschlichen Geschlecht gleich, nahm uns in Sich auf und mit ins Grab. Gott sieht uns als tot und begraben. Das war das Ende von Adams Geschlecht. Jesus war der letzte Adam. Wie schon gesagt wird es keinen Adam mehr geben. Er war der letzte. Nun sind wir von den Toten auferstanden und leben dem Herrn Jesus – dem zweiten Menschen. Wir sind gestorben, und der alte Mensch ist tot. Wir sind auferstanden im neuen Leben und sind mit Ihm eine neue Schöpfung – ein völlig neuer Mensch; geschaffen in Christus Jesus in Glauben und Heiligkeit. Paulus sagte von dem neuen Menschen: „geschaffen in Christus Jesus in Glauben und wahrer Heiligkeit.“

 

Wir müssen den Unterschied sehen. Der alte Mensch in Adam erfährt den Tod des Kreuzes. Daran müssen wir uns alle Zeit halten. Der neue Mensch in Christus soll den Weg des Kreuzes ergreifen. Wir halten uns dem alten Adam für tot, indem wir uns auf das vollendete Werk Christi berufen. Es ist abgeschlossen, egal, wer oder was sich erheben will. Wir sind tot für die Sünde und lebendig für Gott. In dem neuen Menschen haben wir nun täglich teil an dem göttlichen Leben, das in uns Tod aber in anderen Leben bewirkt.

 

Ich bin befreundet mit einem bekannten Missionaren. Er wurde in Afrika geboren, sein Vater war Missionar. Er ist Schweizer Herkunft aber in Afrika geboren und dort schon sein Leben lang Missionar. Ich habe mit ihm gearbeitet in Kinshasa, Zaire. Zu manchen Zeiten haben Menschen das Unerträgliche ertragen. Als ich einmal bei ihm war, weinte er und erzählte mir, daß man ihn jeden zweiten Tag vor Gericht brachte. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nie erlebt hat. Es gab Mächte, die versuchten, ihn zu deportieren, Lügengeister des Satans. Es war ein ständiger Kampf. Er sagte zu mir: Ich bin tausend Tode gestorben. Ich sagte: „Aber sieh doch, das Leben, das aus diesem Tod entstanden ist.“ Paulus sagte, „ich sterbe täglich ...“, aber aus diesem Tod kam Leben für andere. In die Gemeinde meines Freundes kommen jeden Sonntag zwölftausend Menschen, um das Evangelium zu hören. aus dieser Gemeinde sind inzwischen weitere Gemeinden hervorgegangen, mit 1500 bis 2000 Mitgliedern. Aus dem Tod kam Leben.

 

Das wird klar ausgedrückt durch das Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muß, um viel Frucht zu bringen. Paulus bezieht sich auf den neuen Menschen, wenn er sagt: das Sterben des Herrn Jesu an unseren Leibern tragend, damit das Leben Jesus an unserem Leib offenbar werde. Es wäre falsch, zu glauben, Gott würde die Schätze des Himmels nicht in einen neuen Menschen legen. Nehmen wir vier Schriftstellen, die oft auf den alten Menschen bezogen werden aber eigentlich den neuen betreffen. Sie müssen den neuen Menschen betreffen, denn es geht um Dienst, der „stündlich in Gefahr“ ist. Deshalb sagt Paulus. „Ich sterbe täglich.“ Es gibt keinen Hinweis auf Sünde – der Zusammenhang ist deutlich. Der Apostel spricht von seiner täglichen Bereitschaft, sein Leben für das Evangelium einzusetzen. Es steht im ersten Korinther 15: 29 „Wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden ... (30) Warum sind auch wir jede Stunde in Gefahr? (31) Täglich sterbe ich ... (32) Wenn ich nun nach Menschenweise mit wilden Tieren gekämpft habe zu Ephesus, was nützt es mir? Wenn Tote nicht auferweckt werden ...“

 

Das bedeutet, täglich sterben. Wenn meine Brüder in Afrika täglich dem Tod gegenüber stehen, dann ist das das tägliche Sterben, so daß das Leben Jesu durch uns wirken kann. ein anderer Abschnitt, der oft mit dem Sterben für die Sünde ausgelegt wird, steht in Johannes 12: 24. „... Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Ein Bauer sät immer guten, kräftigen Samen. Er sät niemals bewußt schlechten Samen. Samen wird zum Ertrag und nicht zur Reinigung gesät. Wir sind Samen in Seiner Hand. „Denn wir wollen euch nicht in Unkenntnis lassen, Brüder, über unsere Bedrängnis, die uns in Asien widerfahren ist, daß wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so daß wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten in uns selbst schon das Urteil des Todes erhalten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“ (2. Korinther 1: 8, 9).

 

 Gleichgestalt des Todes auf der Auferstehungsseite des Kreuzes ist Schwachheit im tieferen Sinne. Unser natürliches Verlangen ist, uns stark zu fühlen und alles zu können. Schwachheit ist der Weg des Kreuzes, denn wir leben durch das Leben eines anderen.

 

Ich möchte an dieser Stelle von Mrs. Penn-Lewis erzählen. Dies sind ihre Worte: „Ich las das Buch und sah klar den Weg des Kreuzes und dessen Bedeutung. Ich warf das Buch weg und sagte: ‚Nein, diesen Weg will ich nicht gehen, denn ich werde meine herrliche Erfahrung verlieren.‘ Aber am nächsten Tag nahm ich es wieder, und der Herr flüsterte ganz sanft: ‚Wenn du tiefes Leben willst und ununterbrochene Gemeinschaft mit Gott, dann ist das der Weg.‘ Ich dachte: ‚Will ich das? Nein!‘, und ich legte das Buch wieder weg. Am dritten Tag nahm ich es wieder. Der Herr sagte wieder: ‚Wenn du Frucht willst, dann ist das der Weg. Ich werde dir nicht die Freude nehmen; du kannst sie behalten. Aber es ist entweder die Freude für dich selbst oder das und Frucht. Was willst du?‘ Darauf sagte ich durch Seine Gnade: Ich wähle die Frucht; und meine gesamte bewußte Erfahrung war abgeschlossen. Eine Zeit lang ging ich in solcher Finsternis – die Dunkelheit des Glaubens – daß es fast so schien, als ob Gott gar nicht existierte. Und wieder sagte ich, durch Seine Gnade: Ja, ich habe, was ich wollte. Und ich arbeitete weiter, und dann sah ich die Frucht. Von dieser Stunde an verstand ich, daß es nicht die Tat war, sondern das Sterben, das geistliche Frucht brachte. Das Geheimnis eines fruchtbringenden Lebens ist, sich anderen zu geben, ohne selbst etwas zu wollen und sich völlig Gottes Hand zu überlassen, ohne sich zu fürchten, was passiert.“ 

 

soceurope@live.co.uk





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